Zur Geschichte der Siedlung Eichkamp
(vorgetragen von Gerd Peschken im Rahmen des Forum Eichkamp des Siedlervereins Eichkamp)
Die Anfänge der Siedlung Eichkamp fallen in die Jahre, in denen der Soziale Wohnungsbau und zeitgleich die Weimarer Republik sich überhaupt erst ausbildeten. Das unterscheidet die Siedlung von den berühmten Siedlungen wie das Hufeisen in Britz, die schon nach fertig entwickelten gesetzlichen und finanziellen Vorgaben gebaut werden konnten. Die verwirrende Gründungsgeschichte von Eichkamp ist im Auftrag des Siedlervereins von Manuela Goos und Brigitte Heyde erforscht und 1999 veröffen:tlicht worden. Ich stütze mich auf deren Referat der Aktenlage im Kapitel 1. ihres Buches "Gesunde Wohnungen für minderbemittelte Familien".
Der Erste Weltkrieg war eben mit der Novemberrevolution1918 zu Ende gegangen. Die innenpolitischen Kämpfe waren im Kaiserreich und wieder in der Weimarer Republik viel härter als in der Bonner oder jetzt in der Berliner Republik. Im Kaiserreich gab es Militäreinsätze gegen Streikende, in der Weimarer Republik massenhaften politischen Mord und Totschlag. Im Ersten Weltkrieg aber -genau wie im Zweiten- waren die Parteien zusammengerückt. (im Zweiten Weltkrieg waren Parteien als Organisationen ja nicht zugelassen, aber die Leute lebten doch noch). Im Ersten Weltkrieg war allgemein die Stimmung, daß die Arbeiter und kleinen Leute, die im Felde für das Vaterland den Kopf hinhielten bzw. hingehalten hatten, ein Stückchen vom Vaterland abkriegen sollten, für eine bescheidene Wohnung und einen kleinen Garten. Kriegsversehrte, auch die Familien Gefallener sollten eigene Kartoffeln anbauen usw.. Die Kräfte, die vor allem Ruhe und Ordnung im Sinn hatten, dachten sich dabei, daß wer Häuschen und Garten hat, nicht Revolution machen wird. Die Sozialpolitiker wollten für den kleinen Mann einfach bessere Lebensbedingungen, Bodenreformer forderten schon lange Heimstätten für Minderbemittelte. Ein Haupt der Bodenreformer war Damaschke, der schon seit l890 öffentlich dafür warb. Die Führung ,der Sozialdemokratie hatte während des Kaiserreichs nichts von Kleinsiedlungen für Arbeiter gehalten, weil die Leute nicht zu Kleinbürgern werden sollten, die aus Angst um Eigentum und Arbeitsplatz gefügig werden würden, statt frei von alledem um gerechten Lohn zu kämpfen. Im Weltkrieg gab es dann aber Hungersnot (der berühmte Kohlrübenwinter). Das bewog die SPD-Führung dazu, nun auch Kleinsiedlung und Selbstversorgergarten zu befürworten. Otto Braun, langjähriger Vorsitzender der sozialdemokratischen Landarbeiterbewegung, forderte Anfang 1918 Kleinsiedlungen. Er war dann der erste Lqndwirtschaftsminister der Republik, konnter nun für die Siedlung etwas tun.
Obwohl es bürgerkriegsähnliche Kämpfe um die Staatsverfassung und um die Macht im Staate gab, hielt der Konsens über die Kleinsiedlungen. In ganz Deutschland stellten Länder und Kommunen Bauland zur Verfügung. Eichkamp ist kein Einzelfall. Ich weiß nicht, ob es am Berliner Stadtrand noch mehr solche Ausweisungen von Bauland gegeben hat; aber ich kenne z.B. eine solche Siedlung in Hamburg (Langenhorn). -In demselben Monat, in dem der Kaiser abdanken mußte, wurde schon die Märkische Heimstätte GmbH gegründet die für den Siedlungsbau in Berl.in und Brandenburg die Rolle des Bauherrn spielen sollte. Anfang 1919 ließ die Märkische Heimstätte schon einen Bebauungspl.an aufstellen, der aber bei der Realisierung stark beschnitten worden ist. 1919 wurden schon die ersten Häuser in Eichkarrip angefangen, obwohl weder der Grunderwerb noch die Finanzierung formell geregelt waren. Das Reichsheimistättengesetz wurde erst Mai 1920 verabschiedet. Die Formalitäten hinkten also den Tatsachen hinterher. Die ersten Häuser waren die im Eichkatzweg vom Lärchenweg bis halbwegs Kiefernweg, sie sind schon 1920 bezogen worden. Die Gebrauchsabnahme erfogte erst zwei Jahre später. Revolutionäre Zustände.
Eichkamp war fiskalischer Wald gewesen; der Preußische Staat hatte dies Randstück 1911 nicht mit den Staatswäldern an den Zweckverband Berlin verkauft, sondern zwecks Bebauung sich vorbehalten.* Weil der Staat das Gelände direkt der Märkischen.. Heimstätte verkaufte, trat diese also an die Stelle der privaten Spekulaition, die bisher die neuen Viertel. erschlossen hatte.
Die Märkische Heimstätte gründete sogleich die Berliner Bauhütte als sozialen Baubetrieb, um auch den Bau der Siedlungen dem privaten Baugewerbe aus der Hand zu nehmen. Die Leute, die die ersten Häuser erwarben, haben auch selber angefaßt, die Grundstücke geräumt, die Fundamente ausgeschachtet.
Damit wären wir bei den angehenden Bewohnern. Die konnten Grundstück und Haus natürlich nicht bezahlen, brauchten Kredit. Die Postbeamten und Eisenbahner kriegten Kredite von ihrem Staatsbetrieb, so auch Ministrialbeamte anfangs von ihrem Ministerium. Die Märkische Heimstätte verkaufte zuerst Grundstücke, und die kleinen Leute füllten die Kreditlücke mit Eingenarbeit. Das eigene Heim schien auch bürgerlichen Kreisen ohne viel Geld verlockend. Die Märkische Heimstätte baute alsbald auch größere Reihenhäuser und verkaufte sie an höhere Beamte, Studienräte u.a., die das Zusammenwohnen mit kleinen Angestellten in einer Siedlung nicht scheuten. So hat dann 1927-30 auch die eher gutbürgerliche Baugenossenschaft Heerstraße, deren Grundstücke nicht langten, am Falterweg Doppelvillen gebaut.
Anfangs bildeten sich auch mehrere Genossenschaften von Siedlern, die den Grund direkt vom Staat erwarben, wohl vermittelt durch die Märkische Heimstätte. Gleich Anfangs taten sich Bauhandwerker der Berliner Bauhütte, die eben von der Märkischen Heimstätte gegründet war, zusammen und bauten sich in Eigenarbeit die kleinsten Häuser Eichkamps in der Mitte des Blocks zwischen Vogelherd und Fliederbusch, ab 1921. Das war also eine linke Initiative ähnlich den Arbeiter-Spar- und Bauvereinen, die sich schon Ende des Kaiserreichs zusammengetan hatten.
Es gab auch eine rechte, vielleicht eher unpolitische Eigeninitiative von etwas zu idealistischer Herangehensweise, die Deutsche Genossenschaft Eichkamp, die die große Fläche am Waldrand vom Maikäferpfad bis Dauerwaldweg am Zikadenweg und um den Sonnenhof bebaut hat, allerdings sehr schleppend.
Mit solchen Eigeninitiativen umzugehn war für die Behörden lästig. Die Genossen änderten eigenmächtig die Baupläne, zerstritten sich auch wohl, sodaß man auf einmal mit zwei Genossenschaften zu tun bekam, einige Leute aus der bürgerlichen Initiative erfüllten ihre Selbstverpflichtung zu Arbeitsleistungen nicht, kurzum, die Initiativen waren zu selbständig und ein bißchen chaotisch. Die Bürokratie machte also den Eigeninitiativen Schwierigkeiten, interessanterweise die rechte Bürokratie auch der rechten Initiative, die linke Bürokratie auch den linken Siedlern.
Mitte der 1920er war dann der Soziale Wohnungsbau gesetzlich geregelt und lief glatt. Nun stiegen Wohnungsbaugesellschaften der rechten, sog. gelben Gewerkschaften, wie der linken, der roten groß in den Sozialen Wohnungsbau ein. In Eichkamp haben nur mehr oder weniger linke Gesellschaften gebaut. Von den Blocks zwischen Vogelherd und den Schulgrundstücken hat die Gemeinnützige Heimstätten-AG, die GEHAG, den Teil zwischen Waldschulallee und Lärchenweg 1926/27 bebaut, den Teil zwischen Lärchenweg und Maikäferpfad die Deutsche Wohnungsfürsorge AG für Beamte, Angestellte und Arbeiter DEWOG in den Jahren 1928/30.
Ursprünglich bot allein der Kühle Weg das Bild eines Viertels mit Kleinvillen. Dort am Waldrand sind von vornherein Häuser nach Einzelplanung für einzelne Bauherren gebaut worden, die gleichwohl zur Deutschen Genossenschaft Eichkamp gehört haben oder von dieser die kleinen Parzellen gekauft haben. Ich sagte schon, daß diese Genossenschaft Schwierigkeiten mit den Behörden und in sich selbst hatte, sich spaltete, und ihre Bauten sich lange hinschleppten.
Im übrigen bot Eichkamp ehemals ganz das Bild einer Siedlung aus sich in größerer Zahl wiederholenden Bautypen. Durch Umbauten weniger als durch Zerstörungen mancher Häuser im Zweiten Weltkrieg ist das Bild heute etwas gelockert.
Die großen sozialistischen Siedlungsgesellschaften haben (wie auch die gewissermaßen gelben) sehr viel gebaut, die GEHAG z.B. in diesen Jahren über 15000 Wohnungen. Dazu mußten sie aber zu großen Bürokratien werden. Die sozialistischen Politiker fanden das nur richtig und glaubten, daß die großen Firmen ihre Macht stärken würden. Den Bürokratien aber gingen politischer Verstand und Schwung der Initiativgruppen ab. Ich habe die Geschäftsführerin der Siedlergemeinschaft Freie Scholle in Tegel gekannt, und weiß von ihr, daß die Siedler schon während der Weimarer Republik die Gleichschaltung der Initiativen und deren Zusammenfassung in solchen Baukonzernen wie der GEHAG als Entpolitisierung, als Entmündigung empfunden haben. In der Tat haben die Nazis die GEHAG glatt überpommen, mußten nur ein paar Direktoren austauschen, und der Konzern funktionierte in ihrem Sinne weiter. Die Arbeiter-Bau- und Sparvereine blieben den Nazis Feind. Ich habe noch als angehender HitIerjunge, als "Pimpf", gelernt, daß das die schlimmsten Schläger- umd Mörderbanden wären.
Zur Kunstgeschichte der Eichkamper Siedlungsarchitektur.
Seit die Ideen des Bürgertums sich um 1800 etwa durchgesetzt hattn, war der künstlerisch führende Bautyp die Villa. Die Villa hat im späten Kaiserreich ihren Höhepunkt erreicht, wurde sogar vorbildlich für die Mietswohnung. Die Vollendung war, durch den verlorenen Krieg, auch schon das Ende: in der Weimarer Republik sind so gut wie keine bedeutenden Villen mehr gebaut worden. Die Ausnahme in Berlin: das Villenpaar an der Stößenseebrücke von den Brüdern Luckhardt. Die Niederlage im Krieg hat aber nur beschleunigt und abrupt beendet, was schon länger im Gang war. Der Sozialbau übernahm schon vor dem Ersten Weltkrieg allmählich die künstlerische Führung. Etwa die Anlagen des Beamten-Wohnungs-Vereins in Berlin wurden schon als künstlerisch bedeutende Aufgaben angefaßt und öffentlich gewürdigt. In Hamburg hat der Norddeutsche Lloyd für Decksoffiziere ähnliche Anlagen in Wilhelmsburg gebaut, auch diese vor dem Ersten Weltkrieg. In der Weimarer Republik werden dann die sozialistischen Großsiedlungen künstlerisch führend, und zwar über die deutschen Grenzen hinaus. Man darf wohl sagen, daß die linke Architektur der Weimarer Republik Geltung in der ganzen westlichen Welt erlangt hat - damals war Deutschland mit dieser Richtung seines Sozialbaus und durch diese Richtung seines Sozialbaus architektonisch führend (quantitativ handelt es sich nur um einen bescheidenen Teil des Sozialen Wohnungsbaus der Weimarer Zeit, aber es gab vor allem in Berlin, aber auch in Magdeburg, Celle, Hamburg u.a.m. großzügige Anlagen erster Qualität). Die Bonner Republik in ihrer etwas ängstlichen Bürgerlichkeit hat die linke Herkunft des "neuen bauens" verdrängt und man sprach von Bauhaus-Stil.
Das 'neue bauen' oder der Funktionalismus kam erst in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre recht zu sich. Davon hat Eichkamp auch zwei Siedlungsteile abbekommen, es gibt in Eichkamp Weltklasse-Architektur. Die GEHAG- Häuser sind von Martin Wagner und Bruno Taut (wobei Wagner eher an den Wohnungstypen interessiert war, Taut der eigentliche Architekt), und die GEWOG-Häuser von Max Taut.
Indessen die Häuser aus der ersten Hälfte der 1920er sind nicht weniger interessant, weil sie stilistisch teils nach älteren Vorstellungen geformt sind, teils auf der Suche nach den neuen. Von Interesse im künstlerischen Sinn sind die Häuser der Märkischen Heimstätte.. Ihr Architekt ist von 1919 an Max Taut gewesen. Er hat innerhalb des doch breiten Bauprogramms dieser Siedlungsbank Gelegenheit genommen, a11erhand Varianten auszuprobieren. Wie groß die Vielfalt gewesen ist habe ich nicht genau festgestellt, auch deswegen, weil durch Kriegszerstörungen und Umbauten der Bestand nicht mehr so einfach, d.h.. ohne weiteres Aktenstudium zu überblicken ist. Ganz am Anfang stehen die Häuser im Eichkatzweg zwischen der Alten Allee und dem Lärchenweg. 19l9/20 erbaut. Diejenigen zur Alten Allee hin mit Giebeln spielen Kleinstadt, wie das im Kleinsiedlungsbau seit etwa Hellerau bei Dresden (noch vor dem1.Weltkrieg) Mode war. Aber Taut wird nicht kitschig wie etwaa Schmitthenner in den letzten Kriegsjahren in Staaken. Zum Lärchenweg hin hat er etwas zurückgesetzt einstöckige Häuser errichtet, die ein wenig expressionistisch oder nach Art deco schmecken, bezaubernd schön, eine wahre Augenweide. Auf gleicher Höhe an der Eichkampstraße folgten gleich 1920 zweistöckige Häuser, wo er z.T. mit ungefähr sechseckigen Putzmustern über den Haustüren Anregung durch die unmittelbar vor dem 1.Weltkrieg datierende Siedlung Falkenberg zeigt, die vom älteren Bruder Bruno entworfen ist. 1921/23 folgen die Vierhäusergruppen von der Alten Allee bis zum Kiefernweg an der Eichkampstraße. Diese Häuser sind größer, bürgerlicher; er hat sie im spätkaiserzeitlichen Englischen Landhausstil gehalten, nur die Haustüren in Art deco genommen. Auch sie sind von höchster Kultur des Entwurfes. 1923/25 endet dann das Bauprogramm der Märkischen Heimstätte mit der langen Zeile und dem kleinen Platz an der Eichkampstraße zwischen Waldschulallee und Lärchenweg, wieder ein Kleinstadtbild, kultiviert, aber nicht mehr auffällig kunstvoll.
In diesem Kleinsiedlungs/Kleinstadtstil sind auch einige Gruppen Häuser der Deutschen Genossenschaft Eichkamp gehalten, am Sonnenhof und an der Kreuzung Zikaden/Kiefernweg, vielleicht entworfen von dem Kasseler Architekten Frhr. von Tettau, der zuerst für diese Gesellschaft gearbeitet hat. Ein anderer Fassadentypus mit monumentalem Giebel, öfter mit schwerplastischen Schleppgaupen, ist vom Reichspostarchitekten Otto Pflug, der für Post- und Bahnbeamte wohl die Würde dieser Staatsbetriebe ausdrücken wollte.
Die mehr gutbürgerlich gedachten Häuser im Falterweg, im Hornisgrund, am Zikadenweg kurz vor dem Maikäferpfad haben alle mehr oder weniger Teil an dem damaligen Hohen Niveau der Architektur in Deutschland, stehen aber in ihrem Konservatismus natürlich abseits von der künstlerischen Entwicklung.
Schließlich noch einige Bemerkungen zu den Berühmtheiten aus der zweiten Hälfte der 1920er. Bruno Tauts Häuser sind erkennbar an den mit Vormauerziegeln verstärkten Ecken, sozusagen Variation und Kritik an den Quaderketten aus Putz bei den bürgerlichen Gegenstücken. Aus einem Wort von ihm zur Weißenhof-Siedlung in Stuttgart ist bekannt, daß er proletarische Häuser bauen wollte, was, nebenbei, eine falsche Idee war, denn auch Arbeiter wollen nach oben; ihr Klassenbewußtsein ist eher eine Wunschvorstellung der Intellektuellen. Die falschen Ideen eines Architekten ändern aber nichts daran, daß seine Architektur künstlerisch überzeugend sein kann. Bruno Taut hat in seinem Areal auch einige Doppelvillen an der Waldschu1allee gebaut. Es ist da zu sehen, daß die Villa als Bauaufgabe nicht mehr interessierte - die Siedlungs-Typenhäuser Bruno Tauts nebenan sind weit schöner, und von großer Kraft. Es ist kein Wunder, daß die Eigentümer der Häuser deren Avantgardismus, wie er sich vor allem in der ganz freien Stellung der Fenster im Giebel ausprägte, nicht verstanden haben. An diesen Häusern ist viel mehr geändert als an den harmlosen Siedlungsbauten ohne künstlerischen Ehrgeiz und ohne künstlerische Bedeutung nebenan.
Die Häuser Max Tauts vom Ende der 1920er waren weniger kräftig als vielmehr delikat, wie er denn der weniger wilde aber desto feinere von den Brüdern Taut gewesen ist. Auch er hatte ein paar Villen in seinem Areal errichtet; diese endeten in halbrunden Terrassen, spielten, wie das Ende der 1920er im Funktionalismus beliebt war, auf Schiffe an. Die Terrassen sind nach dem Zweiten Weltkrieg für Umbauten abgebrochen worden; ich habe sie noch gesehen. Max Tauts Doppelhäuser haben frei außer der Achse gesetzte Eckfenster im Erdgeschoß und sehr schöne Eingangslauben mit eingearbeiteter Lampe. Seine Reihenhäuser haben schräg aufwärts laufende Fensterchen vor der Treppe, eine ganz reizende funktionalistische Erfindung. So wie seine einstöckigen Häuser in expressionistischer Stimmung sind diese zweistöckigen Reihenhäuser in funktionalistischer Haltung die schönsten Häuser in Eichkamp. Auch seine Häuser waren natürlich dem Geschmack der Bewohner und Eigentümer voraus, und sind mit der Zeit vielfach abgeändert worden. Sein Dachrinnen-Detail: unverkröpftes Abfallrohr unter eckiger Rinne, was ganz selbstverständlich ein schönes Traufgesims ergab, ist nirgendwo mehr erhalten, alle Dachrinnen sind im üblichen Halbrund erneuert.
Es ist klar, daß Mietshäuser, die den größten Teil des Sozialen Wohnungsbausder Weimarer Republik machen, besser erhalten sind als Häuser in Einzeleigentum; stilistisch betrachtet ist es andernorts den Privathäusern der Moderne, z.B. den Meisterhäusern des Bauhauses in Dessau oder Corbusiers Siedlung Pessac nicht besser, eher schlimmer ergangen als den Häusern der Brüder Taut in Eichkamp.
Gerd Peschken
*Anm.: den Eckpflock für diese Disposition gewissermaßen machte das Restau- rant "Filmschloß" mit dem "Tattersall" auf dem Grundstück des Evangelischen Studentenheims Ecke Eichkampstr./Dauerwaldweg.